Yoga
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Was ist Hatha-Yoga?
Āsanas und ihre Wirkungen
Mudrās - Gesten
Prānāyāma - zurückhalten der kosmischen Energie



Was ist Hatha-Yoga?

Hatha ist gebildet aus zwei Silben.

"Ha" bedeutet Sonne die aktive Seite des Menschen
"Tha" bedeutet Mond die passive Seite
Yoga heisst anjochen, verbinden meint den inneren Zustand der Einheit mit unserem Selbst

Hatha-Yoga besteht aus körperlichen Übungen (āsanas), Atemübungen (prānāyāma) und Übungen mit einer besonderen Atmung (mudrās).
Der Begriff Hatha-Yoga repräsentiert die Verbindung der Sonne mit dem Mond, welche die Himmelskörper in unserem Innern symbolisieren (maskulin - feminin, Aktion - Intuition). Die beiden gegensätzlichen Energien ins Gleichgewicht zu bringen ist ein wesentliches Ziel des Hatha-Yoga.

Nun wird aber Schrittweise vorgegangen. Schon Jahrhundertelang wird Hatha-Yoga als ein Übungsweg verstanden, der dort ansetzt, wo der Mensch am besten mit der Veränderung beginnen kann, mit dem eigenen Körper.

Der Mensch lebt in der Polarität. Das wird durch die Bedeutung des Wortes Hatha ausgedrückt.

Die Begriffe des Positiven und des Negativen weisen auch auf die elektrisch-chemische Energie des Körpers hin, wobei die rechte Seite positiv und die linke Seite negativ geladen ist. Wir haben es immer mit zwei Extremen zu tun. Auch der Geist besitzt seine eigenen Polaritäten. Das liegt vor allem in der Natur des Lebens selbst. Wir fallen stets von einem Extrem ins andere. Dies geschieht, weil wir uns vor allem im Bereich vorgefasster Meinungen und einer Vielzahl von Annahmen und Vermutungen bewegen.
Das Ziel der Yoga-Übungen ist es, die Mitte zu erreichen. Den Zustand des Gleichgewichts zu schaffen und über unserer begrenztes Vorstellungsvermögen hinauszukommen. Der Wahrheit kommt man Schritt für Schritt näher, denn viel haben wir gelernt zu verbergen.

Durch Beobachtung und Einbeziehung der mental-emotionalen Prozesse werden die Wahrnehmungen und das Verstehen gefördert. Hatha-Yoga lehrt, den Körper als Ganzes besser wahrzunehmen, ohne ihn vom Geist und von den Einflüssen der Sinne zu trennen.

Früher oder später erkennt man, dass die Wirkungen des Hatha-Yoga sich nicht auf den physischen Bereich beschränken. Hier ist erst der Anfang, denn die menschliche Wahrnehmung beginnt auf der körperlichen Ebene. Setzt man die Übungen des Hatha-Yoga regelmässig fort, kommt es allmählich zu einer Regulierung und zur Entwicklung einer besseren Wahrnehmungsfähigkeit des willkürlichen und des unwillkürlichen Nervensystems. Die Wirkung auf das Zentralnervensystem muss gebührend beachtet werden. Alle Yogastellungen tragen dazu bei, die Funktion des gesamten Organismus zu normalisieren. Deshalb beeinflussen sie sowohl die Tätigkeit der Drüsen und der Organe als auch das Nervensystem und auf diesem Wege dann auch den Geist.

Hatha-Yoga ist nicht nur ein Weg von körperlicher Fitness, Gesundheit und Beweglichkeit, sondern vielmehr die Selbstfindung und die Erkenntnis der wahren Natur des Geistes.

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Āsanas und ihre Wirkungen

Āsanas sind die 3. Stufe des Astānga-Yoga.
Aus den Yoga-Sūtren von Rishi Patańjali:

Sthira sukham āsanam

Bedeutung:
Die Übungen und Positionen sind mühelos, bequem und angenehm und machen uns beständig und stabil.

Die richtige Ordnung im Körper und Geist wird wieder hergestellt.

Āsanas - Körperstellungen
In jeder Handlung brauchen wir einen festen, stabilen Körper und einen ausgewogenen Geisteszustand.
Āsanas verfolgen den Zweck, den bestmöglichen Gesundheitszustand und eine tiefe Entspannung von Körper und Geist zu erreichen. Es geht nicht darum, dem Körper eine unbedachte Anstrengung aufzuerlegen, sondern darum, alle vitalen Funktionen zu harmonisieren.
Die allmählich wiedererlangte Geschmeidigkeit des Körpers geht der mentalen Beweglichkeit voraus.
In der Regel ist ein Yoga-āsana eine statische Haltung des Körpers und in dieser Haltung nimmt der Atem und der Geist aktiv an der Übung teil, so dass man eine tiefe, allseitige Wirkung auf die gesamte psychophysische Struktur erhält.
In der kurzen Entspannungsphase nach der Körperstellung findet die eigentliche Wirkung statt. Da die Blutzirkulation an gewissen Stellen im Körper unterbrochen wurde, kann der verstärkte Blutstrom während der Lösungsphase Gifte, Ablagerungen und Schlacken mitreissen.
Nachdem man die Āsanas geübt hat, fühlt man sich gelöst, innerlich ruhig und erfrischt. Man hat eine riesige Menge Energie gespeichert, welche Stärke, Vitalität, und die Kraft schenkt, negative Gedanken zu überwinden.
Die Āsanas harmonisieren die chemischen und biochemischen Kräfte im Körper und helfen, die psychischen Kräfte zu entwickeln. Körper und Geist sind voneinander abhängig. Die physiologischen Kräfte beeinflussen den Geist und die psychischen Kräfte beeinflussen den Körper.
Die Āsanas stimulieren die Bewegung des Herzens, welches das Blut in alle Organe des Körpers verteilt. Sie regulieren die Funktion der Lungen und des Gehirns. Sie geben eine gute Verdauung, einen guten Blutkreislauf und können auf diese Weise alle Arten von Krankheiten vorbeugen oder heilen.
Sie geben den Knochen und Muskeln Festigkeit, indem sie auf die richtige Art angeregt werden. Sie erhöhen die Elastizität der Arterien, der Bänder und die Beweglichkeit der Wirbelsäule. Dies ist sehr wichtig um die Gesundheit des Körpers und damit auch seine Jugend zu erhalten.
Die Wirbelsäule trägt nicht nur wesentlich dazu bei, den Körper aufrecht zu halten, sondern bietet auch dem Nervensystem einen lebenswichtigen Kanal.

Ein wesentlicher Aspekt der Körperübungen besteht darin, die Wirbelsäule elastisch zu halten, denn dies führt nicht nur zu mehr Beweglichkeit, sondern fördert auch die Funktion der Bauch- und Verdauungsorgane.

Die Āsanas helfen psychische Kräfte wie Willenskraft und Vertrauen zu steigern. Sie fördern einen gesunden Schlaf, steigern die Urteilskraft und Konzentrationsfähigkeit. Sie sensibilisieren auf die Vorgänge im Körper und dadurch auch auf die persönlichen Bedürfnisse.

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Hatha-Yoga ist eine wunderbare Technik, den Körper gesund und stabil zu erhalten. Die körperlichen Übungen enthalten aber eine viel tiefere Dimension, denn sie formen den Menschen in seiner Ganzheit.

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Richtig profitiert ein Übender, wenn die ganze Aufmerksamkeit auf sich gerichtet ist, wenn er vom diskursiven Denken (ich muss mich entspannen) Abstand nimmt und ohne Leistungsdruck seinen Körper wahrnimmt.

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Hatha-Yoga kann zu einer entscheidenden Hilfe werden in Zeiten, in denen wir oft bis ans Mass des Erträglichen gefordert sind. Er zeigt Möglichkeiten auf um zu Kraft zu kommen und über unser Leben zu reflektieren, wie wir bewusster leben und verantwortungsvoller mit uns umgehen können.

Als Methode, die eine „Vereinigung“ zum Ziel hat, interessiert sich der Yoga für den ganzen Menschen. Die āsanas tragen dieser komplexen menschlichen Struktur Rechnung.

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Yoga und seine Übungen sind eine kraftvolle Medizin.
Sie können heilen, lindern und verwandeln.


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Mudrās - Gesten

"Mud" bedeutet Freude
"rā" bedeutet geben

Die Mudrās werden zwischen āsanas und prānāyāma eingeordnet. Die Fähigkeit, die Bewegung der Lebensenergie in sich zu erfahren, wird als die Quelle höchster Freude angesehen, weswegen die mystische Etymologie von mudrā lautet: das was Freude gibt.
Bei den mudrās handelt es sich um Körperstellungen, die in Verbindung mit bestimmten Formen der Atemlenkung (Führung) und/oder Kontraktionen geübt werden. Sie sammeln die Aufmerksamkeit ganz auf das innere Erleben, auf die Bewegung der Lebensenergie (prāna).
In der Hatha-Yoga-Pradīpikā (Quellentext, 3. Kap. Vers7) heisst es, dass die mudrās im Menschen aussergewöhniche Fähigkeiten fördern und der Übende durch sie vollkommen wird.
Selbst wenn man sich noch nicht so hohe Ziele setzt - das Üben der mudrās besitzt zweifellos grosse energetische Wirksamkeit.

Die mudrās wirken insbesondere auf das Drüsensystem und die Gelenke der Beine und Oberschenkel positiv aus. Die endokrinen und exokrinen Drüsen werden harmonisiert und in ihrer Funktion gestärkt. Aber auch für die inneren Organe, die Muskeln und die Wirbelsäule ist das Praktizieren der mudrās sehr nützlich. Neben prānāyāma (zurückhalten der Lebensenergie), pratyāhāra (zurückziehen der Sinne), dhārāna (Konzentration) und dhyāna (Meditation) sind die mudrās sehr wichtig um Kundalini-Sakti zu erwecken. Diese Energie befindet sich spiralförmig, wie eine Schlange gewunden, im untersten Zentrum der Wirbelsäule.
Kundalini ist die weibliche Form von Kundala. Sakti bedeutet Kraft oder Energie. Sakti ist das Wissen, welches im Steissbeinzentrum schläft, deshalb kann der Mensch die Wahrheit nicht finden.
Der Aufstieg von Kundalini-Sakti (auch göttliche Mutter des Universums genannt) hebt die Dualität auf, die normalerweise in jedem Menschen vorherrscht und stimuliert dabei wichtige energetische Zentren, die sich entlang der Wirbelsäule befinden. Allerdings hängt die Verwirklichung dieses Zieles wesentlich davon ab, wie stark man sich im Yoga-Weg engagiert.

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Prānāyāma - zurückhalten der kosmischen Energie

Prānāyāma ist die vierte Stufe des Astānga-Yoga.

tasmin sati śvāsa-praśvāsayor gati-vicchedah prānāyāma.

Die Bedeutung lautet:
Wenn man in den āsanas gefestigt ist, erfolgt prānāyāma. Das ist die Kontrolle des Atems durch die Unterbrechung der Ein- und Ausatmung.

Prānāyāma ist ein wesentlicher Bestandteil des Yogawegs. Er markiert den Übergang von der körperlichen und mentalen zu einer subtileren Praxis, die einzigartig auf die Bewusstwerdung der Lebensenergie wirkt.
Der Atem ist der äussere Ausdruck von prāna. Das Wort <prāna> ist weder Sauerstoff noch Atem, sondern es ist die kosmische Lebensenergie, welche überall existiert.
<Ayāma> bedeutet zurückhalten
Prānāyāma ist das Zurückhalten oder Speichern der Lebensenergie. Dies kann u. a. durch die richtige Atmung erreicht werden.
Prāna kann durch Nahrung, Wasser, Sonnenlicht und Luft aufgenommen werden. Durch jede Handlung wird prāna verbraucht, sowohl durch körperliche Bewegung als auch durch geistige Aktivitäten, besonders aber durch emotionale Ausbrüche.

Leben ist Atem und Atem ist Leben. Jedes lebende Geschöpf hängt vom Atem ab. Die richtige Atmung hat eine überragende Bedeutung für jeden in allen Lebensbereichen, denn Atem, Körper und Geist stehen in gegenseitiger Beziehung.

Unter den wichtigen automatischen Organfunktionen ist die Atmung die einzige, die sofort und direkt beeinflusst werden kann. Daher kann sie zwischen Bewegung und Sprache und dem Nervensystem, dem mentalen Bereich, vermitteln. Mit Prānāyāma Übungen kann man seine Sinne und Gefühle beeinflussen, indem man nicht mehr automatisch, sondern gezielt und bewusst atmet.

Wir haben alle schon mal erlebt, wie sehr wir körperlich eingeschränkt sind, wenn eine Gemütsbewegung den Atem- und den Herzrhytmus beschleunigt oder wenn eine starke Erregung den Atem verkürzt. Es ist sehr einfach, den Atemrhytmus zu verlangsamen und damit das Nervensystem, den Geist, der die Beschleunigung verursacht hat, wieder zu beruhigen. Es genügt, eine bestimmte Atemtechnik anzuwenden.

Der Yoga enthält wie ein Puzzle unterschiedliche Teile. Alle haben auf ihre Weise Anteil am Gesamtergebnis. Jede Yoga-Technik ist auf ihre besondere Art hilfreich und trägt dazu bei, dass der Übende dem Zustand absoluter Ruhe und Frieden näherkommt.
So sind die āsanas (Körperstellungen) eine wertvolle Hilfe, um dem Brustkorb, dessen Beweglichkeit mangels entsprechender Übung eingeschränkt ist, seine natürliche Ausdehnung wiederzugeben.

Mittels der Atemtechnik kann man sogar auf einer feinen Ebene auf das Leben selbst einwirken. Der Yoga bemüht sich vorallem darum, die Aktivitäten des Geistes zur Ruhe zu bringen.

Wie schon erwähnt sind nach der indischen Lehre die Aktivitäten des Geistes eng mit der Atmung verknüpft. Es handelt sich hier um eine Schlüsselbeziehung, die die Tür zum energetischen Gleichgewicht öffnet. Wenn man die Atmung verlangsamt, beruhigt sich auch der Geist. Das bewusste Atmen drückt der psychischen Aktivität auch gegen deren Willen ihren Rhythmus auf. Die energetischen Potentiale geraten so ganz natürlich in einen Zustand der wachen Aufmerksamkeit und in ein stabiles Gleichgewicht.

Prānāyāma benötigt immer eine bequeme und stabile Haltung, aus der heraus man sich konzentrieren und loslassen kann.
Will man den Energiefluss verbessern, gilt es, das Gleichgewicht zwischen der linken und der rechten Seite des Körpers herzustellen und die lunare und solare Energie gleichmässig zu stimulieren. Dies erreicht man durch die Wechselatmung, die die negative und positive Energie ausgleichend in Bewegung setzt.

Viele Haltungen und Bewegungsfolgen des Hatha-Yoga lenken die Aufmerksamkeit auf den Wechsel von der linken zur rechten Seite des Körpers. Drehungen sind asymetrische Haltungen. Dieses Üben, einschliesslich der mentalen Konzentration, gleicht die individuellen energetischen Unterschiede aus.

Wirkungen der Prānāyāma-Übungen:
Durch bestimmte Prānāyāma-Übungen kann man bei jedem Atemzug mehr Sauerstoff aufnehmen und mehr Kohlendioxid abgeben, dadurch wird es möglich, das Blut besser zu reinigen und langsamer zu atmen. Das Verhältnis zwischen Puls und Atmung beträgt im allgemeinen 4:1. Während eines Atemzuges schlägt der Puls 4x. Durch langsameres atmen beruhigt sich die Herztätigkeit. Man erfährt einen Zustand tiefer Entspannung und Gelöstheit, in dem sich auch das Nervensystem erholt. Man bekommt guten Appetit und eine schöne Erscheinung. Viele Krankheiten können durch Prānāyāma-Übungen geheilt werden. Sie verstärken die Geisteskraft und entwickeln verschiedene psychische Qualitäten. Sie fördern Mut, Geduld, Unterscheidungsvermögen, Entscheidungskraft, Konzentration, Willenskraft und Zufriedenheit. In jeder Situation des Lebens erfreut man sich an einem ausgewogenen Geisteszustand.

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