Hatha-Yoga besteht aus körperlichen Übungen (āsanas),
Atemübungen (prānāyāma) und Übungen mit einer besonderen
Atmung (mudrās). Nun wird aber Schrittweise vorgegangen. Schon Jahrhundertelang wird Hatha-Yoga als ein Übungsweg verstanden, der dort ansetzt, wo der Mensch am besten mit der Veränderung beginnen kann, mit dem eigenen Körper. Der Mensch lebt in der Polarität. Das wird durch die Bedeutung des Wortes Hatha ausgedrückt. Die Begriffe des Positiven und des Negativen weisen auch auf die
elektrisch-chemische Energie des Körpers hin, wobei die rechte Seite positiv und die
linke Seite negativ geladen ist. Wir haben es immer mit zwei Extremen zu tun. Auch der Geist
besitzt seine eigenen Polaritäten. Das liegt vor allem in der Natur des Lebens selbst. Wir
fallen stets von einem Extrem ins andere. Dies geschieht, weil wir uns vor allem im Bereich
vorgefasster Meinungen und einer Vielzahl von Annahmen und Vermutungen bewegen. Durch Beobachtung und Einbeziehung der mental-emotionalen Prozesse werden die Wahrnehmungen und das Verstehen gefördert. Hatha-Yoga lehrt, den Körper als Ganzes besser wahrzunehmen, ohne ihn vom Geist und von den Einflüssen der Sinne zu trennen. Früher oder später erkennt man, dass die Wirkungen des Hatha-Yoga sich nicht auf den physischen Bereich beschränken. Hier ist erst der Anfang, denn die menschliche Wahrnehmung beginnt auf der körperlichen Ebene. Setzt man die Übungen des Hatha-Yoga regelmässig fort, kommt es allmählich zu einer Regulierung und zur Entwicklung einer besseren Wahrnehmungsfähigkeit des willkürlichen und des unwillkürlichen Nervensystems. Die Wirkung auf das Zentralnervensystem muss gebührend beachtet werden. Alle Yogastellungen tragen dazu bei, die Funktion des gesamten Organismus zu normalisieren. Deshalb beeinflussen sie sowohl die Tätigkeit der Drüsen und der Organe als auch das Nervensystem und auf diesem Wege dann auch den Geist. Hatha-Yoga ist nicht nur ein Weg von körperlicher Fitness, Gesundheit und Beweglichkeit, sondern vielmehr die Selbstfindung und die Erkenntnis der wahren Natur des Geistes.
Āsanas und ihre WirkungenĀsanas sind die 3. Stufe des Astānga-Yoga. Sthira sukham āsanam Bedeutung: Die richtige Ordnung im Körper und Geist wird wieder hergestellt. Āsanas - Körperstellungen Ein wesentlicher Aspekt der Körperübungen besteht darin, die Wirbelsäule elastisch zu halten, denn dies führt nicht nur zu mehr Beweglichkeit, sondern fördert auch die Funktion der Bauch- und Verdauungsorgane. Die Āsanas helfen psychische Kräfte wie Willenskraft und Vertrauen zu steigern. Sie fördern einen gesunden Schlaf, steigern die Urteilskraft und Konzentrationsfähigkeit. Sie sensibilisieren auf die Vorgänge im Körper und dadurch auch auf die persönlichen Bedürfnisse. * * * Hatha-Yoga ist eine wunderbare Technik, den Körper gesund und stabil zu erhalten. Die körperlichen Übungen enthalten aber eine viel tiefere Dimension, denn sie formen den Menschen in seiner Ganzheit. * * * Richtig profitiert ein Übender, wenn die ganze Aufmerksamkeit auf sich gerichtet ist, wenn er vom diskursiven Denken (ich muss mich entspannen) Abstand nimmt und ohne Leistungsdruck seinen Körper wahrnimmt. * * * Hatha-Yoga kann zu einer entscheidenden Hilfe werden in Zeiten, in denen wir oft bis ans Mass des Erträglichen gefordert sind. Er zeigt Möglichkeiten auf um zu Kraft zu kommen und über unser Leben zu reflektieren, wie wir bewusster leben und verantwortungsvoller mit uns umgehen können. Als Methode, die eine „Vereinigung“ zum Ziel hat, interessiert sich der Yoga für den ganzen Menschen. Die āsanas tragen dieser komplexen menschlichen Struktur Rechnung. * * * Yoga und seine Übungen sind eine kraftvolle Medizin. Mudrās - Gesten
"Mud" bedeutet Freude Die Mudrās werden zwischen āsanas und prānāyāma eingeordnet. Die Fähigkeit,
die Bewegung der Lebensenergie in sich zu erfahren, wird als die Quelle höchster
Freude angesehen, weswegen die mystische Etymologie von mudrā lautet: das was
Freude gibt. Die mudrās wirken insbesondere auf das Drüsensystem und die Gelenke der
Beine und Oberschenkel positiv aus. Die endokrinen und exokrinen Drüsen werden harmonisiert und
in ihrer Funktion gestärkt. Aber auch für die inneren Organe, die Muskeln und die
Wirbelsäule ist das Praktizieren der mudrās sehr nützlich. Neben prānāyāma
(zurückhalten der Lebensenergie), pratyāhāra (zurückziehen der Sinne), dhārāna
(Konzentration) und dhyāna (Meditation) sind die mudrās sehr wichtig um Kundalini-Sakti zu erwecken.
Diese Energie befindet sich spiralförmig, wie eine Schlange gewunden, im untersten Zentrum
der Wirbelsäule.
Prānāyāma - zurückhalten der kosmischen EnergiePrānāyāma ist die vierte Stufe des Astānga-Yoga. tasmin sati śvāsa-praśvāsayor gati-vicchedah prānāyāma. Die Bedeutung lautet: Prānāyāma ist ein wesentlicher Bestandteil des Yogawegs. Er markiert den
Übergang von der körperlichen und mentalen zu einer subtileren Praxis, die einzigartig
auf die Bewusstwerdung der Lebensenergie wirkt. Leben ist Atem und Atem ist Leben. Jedes lebende Geschöpf hängt vom Atem ab. Die richtige Atmung hat eine überragende Bedeutung für jeden in allen Lebensbereichen, denn Atem, Körper und Geist stehen in gegenseitiger Beziehung. Unter den wichtigen automatischen Organfunktionen ist die Atmung die einzige, die sofort und direkt beeinflusst werden kann. Daher kann sie zwischen Bewegung und Sprache und dem Nervensystem, dem mentalen Bereich, vermitteln. Mit Prānāyāma Übungen kann man seine Sinne und Gefühle beeinflussen, indem man nicht mehr automatisch, sondern gezielt und bewusst atmet. Wir haben alle schon mal erlebt, wie sehr wir körperlich eingeschränkt sind, wenn eine Gemütsbewegung den Atem- und den Herzrhytmus beschleunigt oder wenn eine starke Erregung den Atem verkürzt. Es ist sehr einfach, den Atemrhytmus zu verlangsamen und damit das Nervensystem, den Geist, der die Beschleunigung verursacht hat, wieder zu beruhigen. Es genügt, eine bestimmte Atemtechnik anzuwenden. Der Yoga enthält wie ein Puzzle unterschiedliche Teile. Alle haben auf ihre
Weise Anteil am Gesamtergebnis. Jede Yoga-Technik ist auf ihre besondere Art hilfreich und
trägt dazu bei, dass der Übende dem Zustand absoluter Ruhe und Frieden näherkommt. Mittels der Atemtechnik kann man sogar auf einer feinen Ebene auf das Leben selbst einwirken. Der Yoga bemüht sich vorallem darum, die Aktivitäten des Geistes zur Ruhe zu bringen. Wie schon erwähnt sind nach der indischen Lehre die Aktivitäten des Geistes eng mit der Atmung verknüpft. Es handelt sich hier um eine Schlüsselbeziehung, die die Tür zum energetischen Gleichgewicht öffnet. Wenn man die Atmung verlangsamt, beruhigt sich auch der Geist. Das bewusste Atmen drückt der psychischen Aktivität auch gegen deren Willen ihren Rhythmus auf. Die energetischen Potentiale geraten so ganz natürlich in einen Zustand der wachen Aufmerksamkeit und in ein stabiles Gleichgewicht. Prānāyāma benötigt immer eine bequeme und stabile Haltung, aus der heraus man
sich konzentrieren und loslassen kann. Viele Haltungen und Bewegungsfolgen des Hatha-Yoga lenken die Aufmerksamkeit auf den Wechsel von der linken zur rechten Seite des Körpers. Drehungen sind asymetrische Haltungen. Dieses Üben, einschliesslich der mentalen Konzentration, gleicht die individuellen energetischen Unterschiede aus. Wirkungen der Prānāyāma-Übungen:
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